Start 2. Damen TG RE Schwelm - TuS Hattingen II 2:3

TG RE Schwelm - TuS Hattingen II 2:3

TG zur roten Erde Schwelm – TuS Hattingen II 2:3 (25:21, 25:12, 22:25, 22:25, 13:15)

Die letzten Tage haben wir uns dank des WAZ-Artikels, dazugehöriger Bildershow und Spieltagsankündigung fast wie im Volleyball-Promi-Modus befunden. Und irgendwie war das Spiel daher die ganze Woche im Hinterkopf. Wenn es dann soweit ist, die Knieschoner zurechtgezupft, die Haare geflochten und die Kriegsbemalung aufgetragen wird, dann gilt es sich für jeden Ball die Knie aufzuschürfen, die Kehle heiser zu schreien und ausgelassen zu tanzen, wenn man den einzigen Punkt gemacht hat, den man im Volleyball machen muss, den Letzten.

Dem letzten Spielzug gingen jedoch 204 weitere Ballwechsel voraus, und von dem ersten an war es das erwartete Spitzenspiel, zu dem zwei gleichwertige Mannschaften, eine großartige, lautstarke und stets faire Zuschauerkulisse und nicht zu vergessen, das souveräne Schiedsgericht des Schwelmer SC, beigetragen haben. Das erste Kompliment geht dabei an alle, die für die tolle Atmosphäre gesorgt  haben. Das zweite Kompliment geht an beide Mannschaften, von denen beide den Sieg verdient gehabt hätten. Doch das eine sind Sätze und Punkte für die Tabelle in einer ominösen BK 17, das andere ist, dass wir alle ein ziemlich geiles Spiel erlebt haben – und dafür machen wir ja schließlich den ganzen Quatsch, dafür stellen wir uns in die Halle, die Spielerinnen, aber auch wir Trainer.

Trainer, die bereits Tage vorher Taktiken austüfteln, wie der jeweilige Gegner zu knacken ist. Unsere funktionierte im 1. Satz zumindest bis zur Hälfte ganz gut. Gerade über Hannah und Caro kamen wir zu vielen wichtigen Punkten. Es war nur eine knappe Führung, aber da wir sicher aus der Annahme heraus punkteten, war ich bei 18:16 zuversichtlich, dass wir den Satz zu unseren Gunsten entscheiden können. Doch dann begannen die wilden 30 Minuten der Roten Erde. Sicher, wir haben unsere Fehler gemacht, standen v.a. in der Abwehr zu fest, aber das war auch schon erste Sahne, was die jungen Schwelmer Damen in die Halle zauberten. Hochachtung vor super gefährlichen Aufgaben, einer disziplinierten Feldabwehr und knallharten Angriffen, gegen die wir zwischenzeitlich kein Mittel fanden. Im 1. Satz gelingen uns ab dem 18:16 nur noch drei weitere Punkte und im 2. Durchgang (12:25) sind wir komplett machtlos.

Doch meine Aufgabe besteht ja nicht darin, dem Gegner Beifall zu klatschen. Vor dem 3. Satz sagte ich, dass dieses Spiel - vor dieser Kulisse, gegen diesen starken Gegner – nun eine Art „Reifeprüfung“ ist. Zudem fühlt sich Frauke nicht wohl und mag nicht weiterspielen. Spontan wird Caro auf Außen geschoben, Feli rückt auf Diagonal. Unabhängig davon wütet Schwelm weiter. Die Aufgaben fliegen nach wie vor brandgefährlich über das Netz, doch unsere Annahme, gerade Mareike, wird immer besser und im Angriff hält uns v.a. Caro im Spiel. In ihren guten Momenten ist Caro kaum zu stoppen und sie hat nun viele gute Momente. Dennoch liegen wir hinten: 7:12, 14:17, 18:20.  Egal, wie wir umstellen, wir kriegen die sehr starken Schwelmer Mittelangreifer nicht in den Griff. Ich weiß im Nachhinein auch nicht, wie wir den Satz noch gedreht haben. Vermutlich ist es einfach dieser besondere Charakter der Mannschaft, der uns wieder ins Spiel bringt. (Es war übrigens eines der schönsten Komplimente im letzten Bezirksliga-Jahr: „Das ist schon auffällig: egal, wie es steht, deine Mannschaft gibt sich nie auf.“)

Der Satzgewinn kommt etwas überraschend und nimmt den Gastgebern vorübergehend den Wind aus den Segeln. Wir hingegen bekommen neue Luft und nutzen diese, um selbst Akzente zu setzen. Unsere Annahme ist nun bombensicher, wir variieren wieder mehr im Angriff und kriegen auch im Block und in der Feldabwehr mehr als nur eine Hand an den Ball. Als weiterer Faktor kommt nun Feli in Fahrt und sorgt für eine wichtige Spielverlagerung auf die Diagonalposition. Die Führung ist zunächst beruhigend (15:10, 22:15), doch Schwelm erholt sich zunehmend und macht uns wieder jeden Punktgewinn doppelt schwer. Ronja hat das bis dahin in der Mitte gut gemacht, doch in dieser heiklen Situation brauchen wir unsere Spielführerin. Melanie kommt daher wieder aufs Feld. Der erste Versuch schlägt noch fehl, doch letztlich drischt Melanie einen ganz wichtigen Ball ins Schwelmer Feld. 25:22 – Tie-Break.

Der 5. Satz beginnt für die TG zunächst besser (0:2), dann können wir den Spieß umdrehen, da wir im Block nun endlich die Hand auf (!) den Ball haben. Wir drehen das Spiel auf 7:3. Doch die Lautstärke in der Halle, die vielen Positionswechsel sorgen für Unruhe. Wer steht wo? Wer nimmt an? Und wohin? Wer stellt? Und wohin? Wir bringen uns selbst aus dem Konzept. Ich trage meinen Teil durch die Einwechslung von Frauke für Vero dazu bei, um Annahme und Abwehr zu stärken. Mareike fragt, ob sie dann draußen bleibt. Ja. *nachdenken*, nein, ich meine „nein“, auf keinen Fall. Zu spät. Volleyball wird auch noch gespielt, aber das vor allem von Schwelm (8:7, 8:11, 9:13). Wieder stehen wir mit dem Rücken zur Wand, doch noch sind wir nicht geschlagen. Caro bekommt den Ball in den Rücken, macht aber irgendwie im Rückwärtsfallen dennoch den Punkt (10:13, statt 9:14). Und dann geht Melanie zum Aufschlag, serviert 5x gefährlich und wir sind 5x hellwach. Punkten im Block oder im Gegenangriff. Am schönsten ist der Meter Kopf mit Stephie und Hannah zum 14:13, zwei Wochen lang haben wir diesen Spielzug trainiert und nun bringt er den wichtigen Matchball.

Mein Lieben, ich bin sehr stolz auf euch. Heute hatte jede ihre Tiefs und dann haben jeweils die anderen geholfen. Wir sind cool geblieben und haben die „Reifeprüfung“ bestanden. Das Lob des Tages geht an … alle. Ne, das ist zu plump. 1) an Hannah, heute unsere beste Spielerin, 2) an Mareike, ab dem 3. Satz überragend, 3) an Caro - was machen wir bloß ohne dich und 4) und an Melanie. Ich weiß, dass ich dich auf den verschiedenen Positionen immer gerade vor die schwierigen Aufgaben stelle und du daher wenig glänzen kannst. Heute hast du alle wichtigen Dinge richtig gemacht. Vielen Dank auch an fast 20 Zuschauer, die uns heute nach Schwelm begleitet haben.

Es spielten: Stephanie Morlock (Zuspiel); Hannah Kamps, Ronja Weidemann, Merve Mutlu (Mitte); Frauke Kamps, Melanie Leitloff, Veronique van Engeland (Außen); Caroline Jaschke, Felicitas Fischer (Diagonal); Mareike Zwilling (Libera)

Zuletzt aktualisiert am Sonntag, den 11. Dezember 2016 um 23:14 Uhr  
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