Start 1. Herren TuS Stockum - TuS Hattingen 1:3

TuS Stockum – TuS Hattingen 1:3 (21:25, 21:25, 25:11, 19:25)

Den Studierenden unter den Leser sei es nicht zur Nachahmung empfohlen, aber ein Blick in Wikipdia verrät uns:

Als Tremor (lat. tremere „zittern“) wird das unwillkürliche, sich rhythmisch wiederholende Zusammenziehen einander entgegenwirkender Muskelgruppen bezeichnet. Der sogenannte physiologische Tremor von Gesunden ist messbar, allerdings kaum sichtbar. Deutlich sichtbarer Tremor kann als ein Symptom verschiedener Erkrankungen auftreten.

Wobei es der begrenzten Originalität des Sportjargons entsprechend im Weiteren nicht um pathologische Fragen geht, sondern vielmehr die beliebte Floskel des „Zitterspiels“ bemüht wird, um das ebensowenig von Inspiration geküsste Volleyballspiel zwischen den für ihre unrhythmischen Körperzuckungen bekannnten Mannschaften von TuS Stockum und TuS Hattingen auf eine Formel zu bringen. Nach Einsetzen der beiden Teams in eben diese Formel konnte so auch die letzte Unbekannte berechnet werden, nämlich die Frage nach dem Klassenerhalt oder einer drohenden Relegationsrunde. Von 172 Ballwechseln hatten am Ende beide Mannschaften jeweils 86 Punkte auf dem Spielberichtsbogen stehen, weshalb wir mit 3:1 gewonnen haben. Der unkundige Leser merkt, dass Volleyball anscheinend eigenen Gesetzen gehorcht – wobei leider die Schwerkraft nicht dazu gehört, oder doch, man weiß es nicht.

Um Bild zu bleiben und gleichzeitig auf das Spiel zu kommen, zitterten wir uns mehr unrhythmisch denn rhythmisch zu einem 3:1-Erfolg über unsere alten Freunde aus der Waldorfschule. Dabei bleibt Zittern eine für das Volleyballspiel hochgradig problematische Tätigkeit, sodass wir selbst eine kleine schmucke 10:3-Führung im 1. Satz fast noch verspielt hätten, da unsere Finger den Ball in Aus oder ins Netz fingerten, am Netz rumgriffelten, auf der anderen Netzseite rummachten, oder den Ball beim Zuspiel nacheinander berührten, sodass der Schiedsrichter seinerseits unrythmisch zum Korrekturpfiff genötigt wurde. Womit wir bei den besten Akteuren des Tages wären, den Schiedsrichtern, was einiges über das Spiel sagt.

Gott sei Dank, mag man in einem Anflug von Spiritualität sagen, waren die Wittener auch nicht besser und konnte unsere Schwächen nicht ausnutzen. Von einer Epiphanie (dem Leser wird heute ordentlich was zugemutet) zu sprechen, mag zwar etwas gewagt sein, doch auch den zweiten Satz konnten wir nach schwachen Start und schwachem Ende für uns entscheiden. Wo ist denn da die Göttlichkeit?, mag der kritische Leser zu Recht fragen. Nun, nur mit göttlichem Eingreifen lässt sich erklären, dass die unrythmisch vor sich hinzitternden Finger mitunter passable Ballwechsel hervorbrachten. Als Boten der Offenbarung fielen v.a. ein blonder Engel, ein nach seinem Platzverweis wieder auferstandenen Sünder im Jesus-Look und ein kahlköpfiger Antichrist recht positiv auf. Mit 2:0 Sätzen klopften wir unrythmisch zitternd an die Himmelspforte des Klassenerhalts, während die Sense der Relegation schon hinter der Trainerbank der Wittener in Stellung gebracht wurde.

Doch dem Messianischen wohnt bekanntlich auch das Leiden inne. Auf dem 81qm großen Altar für zittrigen Pixelmännchen opferten wir den 3. Satz mit 11:25. Aus der Erkenntnis heraus, dass Volleyball ein Fehler-Spiel ist, in dem der Einzelne ohne die Unterstützung des Mitspielers nicht bewirken kann, inszenierten wir im allegorischen Ausdruck die „Hilflosigkeit im Angesichts des Balles“. Es schien als hätten wir Monaten auf diesen Moment hingearbeitet. Kollektiv erfüllte jeder seine Rolle, das Scheitern als Werk. Auch für die Zuschauer war dies großer Moment: Sprachlos ergriffen sich viele bei den Händen, die Tränen nicht verbergend.

Nun ja, auch die schönsten Moment vergehen. Im 4. Satz wurde einfacher nur wieder Volleyball gespielt. Der ganze Zauber war verflogen. Das Mystisch-Göttliche, der kreative Akt als Gottwerdung des Menschen wichen wieder einfachen Annahme-Zuspiel-Angriff-Block-etc. Aktionen. Nüchtern betrachtet hat sich z.B. durchaus ausgezahlt, dass uns Matze über Woche mit der Blockpositionierung gelangwe..., unsere Sinne geschärft hatte. Öfter als sonst finde ich stand unser Block ganz passabel, sodass wir selbst einen Haudrauf wie Nikolai hinterher ganz gut ausbremsen konnten. Als der letzte Punkt ins gegnerische Feld fiel, überwog am Ende die Erleichterung über den Klassenerhalt. Nicht schön, ein Zittersieg halt, wie man es im Sportjargon mit einer gewissen Einfaltlosigkeit dann so sagt.

Es zitterten: Marc Dormann, Christian Klinge, Axel Hulin, Dennis Borchert (Außen), Mario Göbel, Sebastian Mack, Jannis Stecken (Mitte), Michael Koch, Martin Schwarz (Diagonal), Stefan Matern (Zuspiel)

 

 



Zuletzt aktualisiert am Montag, den 04. März 2013 um 23:05 Uhr  
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